Aktion Starke Hand –
die starke Hand entdecken
Lebst du mit deiner starken Hand?
In unserer Praxis begegnen uns immer wieder Erwachsene, deren körperliche oder psychische Beschwerden trotz verschiedenster Therapien bestehen bleiben.
Viele von ihnen begleitet zugleich seit langem das Gefühl, irgendwie falsch zu sein, nicht wirklich zu sich selbst zu finden oder die eigene Berufung und das vorhandene Potential nicht leben zu können. All dem kann eine nicht gelebte Linkshändigkeit zugrunde liegen. Betroffene leben und schreiben dann als Rechtshänder*innen, obwohl ihre natürliche starke Hand die linke ist.
Deshalb beziehen wir die Händigkeitsdynamik inzwischen bereits zu Beginn in die therapeutische Arbeit ein. Sie kann als Teil einer Deep-Diving-Aufstellung oder gezielt in einer Aufstellung der Händigkeitsdynamik geklärt werden.
Zwei Wege in eine nicht gelebte Linkshändigkeit
Die natürliche Händigkeit geht durch den Gebrauch der anderen Hand nicht verloren. Sie kann jedoch so stark überlagert werden, dass sie im späteren Leben kaum noch wahrgenommen wird.
Bewusste Umerziehung
Viele heute Erwachsene wurden als Kinder ausdrücklich dazu angehalten, das „schöne Händchen“ zu geben, mit der rechten Hand zu schreiben und wichtige Tätigkeiten rechts auszuführen. Sie wissen daher meist, dass sie ursprünglich die linke Hand bevorzugten, auch wenn sie seit Jahrzehnten mit der rechten schreiben.
Unbewusste Anpassung
Andere wurden nicht offen umerzogen. In einer überwiegend rechtshändigen Umgebung übernahmen sie Bewegungen und Verhaltensweisen, die ihnen Eltern, Geschwister und andere Menschen vorlebten. Dieses Lernen durch Beobachtung und Nachahmung wird neurobiologisch mit dem Spiegelneuronensystem in Verbindung gebracht.
So übten sie rechtshändiges Handeln ein, ohne dass dies von ihnen selbst oder ihrer Umgebung als Umstellung wahrgenommen wurde. Als Erwachsene sind sie daher häufig fest davon überzeugt, rechtshändig zu sein.
Gerade bei dieser unbewussten Anpassung bleibt die ursprüngliche Händigkeit oft jahrzehntelang im Verborgenen. Doch wer einen Blick dafür entwickelt hat, findet sie in subtilen Ausdrucks- und Verhaltensweisen ebenso wie in vielen physischen und psychischen Beschwerden.
Der Arzt und Linkshandforscher Hanns von Rolbeck untersuchte ab 1965 über mehrere Jahrzehnte viele Tausend Personen in den USA, England, Italien, Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland auf Linkshändigkeit. Nach seinen Angaben ergab sich daraus eine gleichmäßige Verteilung von ca. 50 % Rechtshändern, ca 8 % – 12 % Linkshändern, die ihre Linkshändigkeit bewusst leben und ca 40 % – 42 %, die ihre Linkshändigkeit nicht leben. Als Ursache nannte er:
Der Grund lag in der Unkenntnis ihrer wirklichen Händigkeit auf Grund von Umwelt- bzw. Selbstprägung in der Kindheit. Somit zeigt sich für die Händigkeitsverteilung, dass sie sich mit 50 : 50 die Waage hält.
Aus: Jessica Mühlhäuser, Silvia Mühlhäuser, Hanns von Rolbeck: Nicht gelebte Händigkeit, nicht gelebte Potentiale, Tübingen 2011, S.47.
Mehr zu möglichen körperlichen, emotionalen und mentalen Folgen einer nicht gelebten Linkshändigkeit findest du in Ritas Blogbeitrag „Was wäre, wenn …?“.
Die eigene Erfahrung verändert den Blick auf die Kinder
Wer bei sich eine nicht gelebte Linkshändigkeit entdeckt, fragt sich häufig, ob auch die eigenen Kinder ihre starke Hand frei entwickelt oder sich an die rechtshändige Umgebung angepasst haben.
Bei jüngeren Kindern kann es hilfreich sein, nicht nur auf die Mal- oder Schreibhand zu achten. Auch beim Essen, Greifen, Werfen und bei anderen spontanen Tätigkeiten zeigt sich, welche Hand ein Kind von sich aus bevorzugt.
Dabei geht es nicht darum, ein Kind bewusst zur linken Hand zu lenken. Es braucht vielmehr ein offenes Angebot, bei dem keine Hand vorgegeben wird: Der Becher kann mittig stehen, Gegenstände können von der Mitte aus gereicht und Löffel auf beiden Seiten des Tellers angeboten werden. So erhält das Kind die Möglichkeit, den Impulsen seiner eigenen Händigkeit zu folgen.
Bleibt die Händigkeit unklar oder entsteht der Eindruck, dass bereits eine Anpassung stattgefunden hat, kann eine Aufstellung der Händigkeitsdynamik Klarheit bringen, die Eltern stellvertretend für ihre Kinder durchführen können. Eine weiterführende Händigkeitsberatung ergänzt diese Klärung durch eine genauere Betrachtung und Testung der Handnutzung im Alltag.
Das Anliegen der Aktion Starke Hand
Aus unseren persönlichen Erfahrungen und den Erkenntnissen unserer therapeutischen Arbeit entstand 2017 die Aktion Starke Hand. Ihr Anliegen ist es, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass die sichtbar benutzte Hand nicht immer die natürliche starke Hand eines Menschen sein muss. Wir möchten dafür sensibilisieren, die natürliche Händigkeit eines Kindes aufmerksam und ohne Vorentscheidung wahrzunehmen. Dadurch kann es seine Fähigkeiten mit der Hand entwickeln, die seiner natürlichen Veranlagung entspricht.
Jedes Kind soll die gleiche Chance haben, seine starke Hand zu entdecken und mit ihr selbstverständlich zu leben – unabhängig davon, ob es die rechte oder die linke ist.
Das ist die Basis, sich selbst leben und das ureigene Potenzial entfalten zu können.
Gesellschaftliche Aufklärung beginnt für uns deshalb mit einer offenen Frage: Welche Hand ist wirklich die starke Hand dieses Kindes?
Denn die falsche Händigkeit zu leben ist für die meisten mit viel Leid verbunden, das nicht sein müsste.
Je früher Eltern, Erzieher*innen und andere Bezugspersonen dafür einen Blick entwickeln, desto eher kann ein Kind seiner natürlichen Händigkeit folgen, ohne korrigiert oder unbewusst in eine bestimmte Richtung gelenkt zu werden.
Einen spielerischen Zugang für Kinder und ihre Familien bietet Ritas Lied vom Starken Händchen.
Möchtest du deine Händigkeit klären?
Du möchtest herausfinden, ob du mit deiner natürlichen starken Hand lebst, oder die Händigkeit deines Kindes genauer betrachten lassen?
In einer Aufstellung der Händigkeitsdynamik können wir klären, ob eine nicht gelebte Linkshändigkeit vorliegt und welche Einflüsse einer eindeutigen Handwahl möglicherweise entgegenwirken.
Ruf Rita gerne an. In einem persönlichen Gespräch könnt ihr gemeinsam schauen, welcher nächste Schritt für dich oder dein Kind sinnvoll ist.
♥
In deiner starken Hand liegt ein
ursprünglicher Teil deiner Identität.